Ni Hao!

 
Hier mal wieder ein längst überfälliger Bericht vom Leben aus dem fernen China.
Aufgrund von Dienst und Familienheimreisen habe ich ein wenig gesammelt und werde ein wenig ausführlicher schreiben.
 
Mit den meisten von euch stehe ich ja mehr oder weniger rege via WhatsApp in Kontakt.
Daher seid ihr ja eigentlich im Bilde.
 
Aber von vorne...
An Ostern bin ich mit dem Schnellzug, dem sogenannten Bullet Train nach Shanghai gedüst.
Etwa 1300 km mit Tempo 300 durchs Land gepflügt.
Allein das war schon nicht ganz ohne.
Die Tickets habe ich über ein örtliches Reisebüro per Email gebucht.
Ging problemlos. Auch wenn man hierzulande für solche Unternehmungen seinen Reisepass inklusive des Visums und evtl den Aufenthaltstitel braucht.
Etwas anders als zu Hause, wo man die Tickets einfach am Automaten ziehen kann.
 
Dem Rat eines Kollegen folgend, bin ich also frühzeitig Richtung Südbahnhof aufgebrochen. Vielmehr wir. Denn zufällig wollte ein Mitarbeiter der Botschaft mit seinen zwei deutschen Besuchern ebenfalls per Eisenbahn nach Shanghai.
Leider nicht im gleichen Zug, aber da die Abfahrtszeiten nur 20min auseinander lagen, habe ich mich kurzerhand eingeklinkt und wir sind zusammen in einem vorher angemieteten Minivan etwa 40min durch den Verkehr zu besagtem Bahnhof aufgebrochen.
Bis hierhin alles normal. Am Taxistand ausgestiegen, gingen wir auf den Bahnhof zu.
In Deutschland eher unüblich, steht dort etwas erhöht ein Polizist mit einem Sturmgewehr und beobachtet die Umgebung.
Hintergrund sind wohl Anschläge von Uiguren, einer ethnischen Minderheit aus Westchina, die auch in jüngster Vergangenheit, allerdings in anderen Landesteilen, stattgefunden hatten.
Allerdings sind dies keine Sprengstoffanschläge, sondern Messerstechereien mit mehreren Beteiligten.
 
Kaum das Bahnhofsgebäude betreten findet eine Sicherheitskontrolle, ähnlich der an Flughäfen, statt.
Wenn man dann endlich drinnen ist, steht man in einer recht modernen, riesigen Halle mit Kuppeldach.
Die Geräuschkulisse ist überwältigend und man sucht vergeblich den Gang zu den Bahnsteigen.
Erstmal muss man seine Ticketreservierung unter Vorlage eines Ausweises oder Passes an einem völlig überfüllten Schalter in sein Ticket tauschen.
Es sei denn, man bucht wie ich und bekommt die Tickets frei Haus geliefert ;-)
 
Noch ein Unterschied zu unseren heimischen Bahnhöfen: man kommt nicht auf den Bahnsteig.
In der Wartehalle kann man sich an allerlei Ständen und Schnellrestaurants verköstigen, um die Zeit totzuschlagen.
In der Mitte der Halle findet man dann auch je Bahnsteig 2 Treppenabgänge, die jedoch bis kurz vor Abfahrt des Zuges geschlossen sind.
Erst, wenn der Zug abfahrbereit unten steht, öffnen freundliche Mitarbeiter der Bahn die Zugänge.
Der eine für die vorderen, der andere für die hinteren Waggons.
Mit der Fahrkarte erwirbt man automatisch Sitzplatzreservierungen.
Stehplätze gibt es keine. Sehr schön!
Steht man am richtigen Treppenabgang, gelangt man nach Vorzeigen seiner Fahrkarte auch endlich auf den Bahnsteig.
Und was für ein Bahnsteig! Blitzsauber...man könnte vom Boden essen!
Kein Fleck, kein breitgetretener Kaugummi, keine Zigarettenkippe weit und breit.
Dafür blitzeblanker weisser Granit oder Marmor, in dem sich die Decke der Halle spiegelt.
Eine Volksgenossin war gerade noch mit einem riesigen Wischmop dabei, die Hinterlassenschaften der zuvor angekommenen Fahrgäste zu beseitigen.
Bedeutet: der Bahnsteig wird nach JEDER Ankunft oder Abfahrt eines Zuges gereinigt.
Wahnsinn. Aber so gelangt man im Kommunismus eben auch zur Vollbeschäftigung.
 
Im Zug (es gibt einmal den deutschen ICE III und ein chinesisches Modell, das etwas futuristischer aussieht) findet man schnell seinen Sitzplatz, verstaut sein Gepäck und nach einer Durchsage zu den Sicherheitsvorkehrungen und der Belehrung, dass das Rauchen an Bord unter Strafe steht, geht es auch schon los.
Die Durchsage wurde auch auf englisch wiederholt, sonst hätte ich dumm sterben müssen.
Nun, was macht der Europäer auf Reisen? Er macht es sich bequem, hört Musik, liest oder schläft.
Was macht der Chinese? Wenn er nicht gerade seiner Hauptbeschäftigung, dem Telefonieren nachgeht, sucht er sich Gesprächspartner vor Ort, auch gern vier Reihen weiter vor oder hinter ihm. Allerdings ohne aufzustehen und hin zu gehen.
Oder er isst. Unentwegt. Die ganze Zeit und ohne Unterlass.
Es sei denn, er muss sich die Beine vertreten und vielleicht neue Gesprächspartner kennenlernen.
Da mit essen nicht unbedingt Süßigkeiten oder ne Stulle gemeint sind, werde ich an dieser Stelle gar nicht erst versuchen, die Geruchskulisse zu beschreiben.
Ich hatte das Gefühl, dass es sich bei den Reisetaschen ausschliesslich um Behältnisse für den Reiseproviant handelte.
Wie auch immer, ich hatte wirklich nur eine Stulle und eine Flasche Wasser dabei. Strecke: 1300km, Dauer: 05:40h. Finde den Fehler!
 
In Shanghai angekommen, wurde ich von Matthias, einem Kollegen, mit dem ich bereits in Teheran 3 Monate zusammen gewohnt hatte, abgeholt.
Da es inzwischen 14 Uhr war und er auch noch nichts gegessen hatte, sind wir unweit des Bahnhofs in ein riesiges Kaufhaus gegangen. Die haben fast immer eine Fressmeile. So auch hier.
Es gab Dumplings (chinesische gedünstete Knödel mit verschiedener Füllung) und eine Nudelsuppe...natürlich mit Stäbchen. Essen Level II.
Aber ich hatte ja schon einige Zeit zum Üben.
 
Da ich nur nen Rucksack dabei hatte und der nicht allzu schwer war, sind wir gleich dazu übergegangen, dass er mir die nähere Umgebung seines Wohnortes gezeigt hat.
Schon rein optisch ein Unterschied zu Peking.
Während die Hauptstadt doch recht sauber ist, findet man in Shanghai deutlich mehr Müll an den Strassen.
Dafür ist der Verkehr auf den ersten Blick wesentlich disziplinierter.
Man kann die Strasse bei grüner Fußgängerampel überqueren, ohne Angst haben zu müssen, vom Rechtsabbieger hinter einem über den Haufen gefahren zu werden.
 
Shanghai ist die oder zumindest eine Finanzmetropole des Landes. Geschätzte Einwohnerzahl um die 30Mio Menschen. Also mal eben mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung.
Wahn-sinn!
Wohin man auch schaut...Hochhäuser. Und mittendrin, auf ein Mal, ein buddhistischer Tempel. Wirkt winzig mit seinen goldenen Dächern zwischen den Wolkenkratzern.
Wir also hinein. Überall Touristen aus aller Herren Länder.
Kaum drin, wirkte alles so ruhig und langsam, wo draussen hektische Betriebsamkeit und Strassenlärm herrschte.
Beeindruckend. Beeindruckend auch der riesige goldene Buddha in einer der Hallen.
Schätzungsweise 6-7m hoch und unbeeindruckt vom Trubel um ihn herum.
Rauchschwaden durchzogen die Tempelanlage. Gläubige, die den Tempel betreten, zünden Räucherstäbchen an und verbreiten einen wohligen Geruch, der allerdings auch die Atemwege reizt...je nach Windrichtung ;-)
 
Wieder in der hektischen Betreibsamkeit der Großstadt angekommen, machten wir uns auf den Weg zu Matthias´ Domizil.
Einige Kreuzungen und unzählige Starbuck´s weiter lag es.
Zuvor gab es in seiner Stamm- Billardkneipe noch ein Willkommensgetränk.
 
Dann in sein Appartment, "managed by Kempinski", also recht nobel.
Hier hauste er insgesamt 6 Monate, bevor er Anfang Mai wieder nach Freiburg zurückkehrte.
 
Abends haben wir uns dann auf die Piste gemacht. Billard gespielt, die eine oder andere Bar besucht, in der er immer wieder Leute kannte und zuvor noch etwas gegessen.
Am kommenden Tag war dann Sightseeing angesagt. Wir wollten nicht den ganzen Tag damit verbringen, da er sagte, dass es eh nicht sooo viel zu sehen gäbe.
Aber zumindest an den Bund, die Skyline sind wir per U-Bahn gefahren.
Leider spielte das Wetter nicht mit.
Die Wolkenkratzer waren wolkenverhangen, kratzten also wortwörtlich an den Wolken.
Bei gutem Wetter sicher eine Attraktion.
Ebenso soll man kurz vor Sonnenuntergang hin und sich auf irgendeiner Rooftop Bar nen Kaffee gönnen, damit man Fotos bei Tageslicht und auch in der Dämmerung oder Dunkelheit machen kann.
Aufgrund der Witterung haben wir verzichtet.
 
Anschliessend ging es noch in einen chinesischen Garten. Den Namen habe ich leider nicht parat.
Nun darf man sich solch einen Garten nicht vorstellen wie die Bundesgartenschau mit Blütenpracht und getrimmten Hecken, sondern eher wie eine ruhige Oase inmitten all des Trubels draussen.
Zwei Hektar Ruhe. Schöne alte Pagoden, Steine, Wasserläufe, Brücken und Mauern.
Schwer zu beschreiben. Also seht euch die Fotos an.
 
Abends sind wir dann nicht mehr allzu lange weg gewesen, da ich sonntags bereits vormittags wieder rechtzeitig am Bahnhof sein musste.
Den Ostermontag habe ich dann wieder in Peking verbracht.
Spät Abends wieder am Bahnhof in der Hauptstadt, musste ich allerdings noch geschlagene zwei Stunden in einer schier endlosen Schlange Wartender aushalten, bis ich endlich in ein Taxi steigen konnte.
 
Hier der Link zu den Bildern: https://www.dropbox.com/sh/ve4todvu17d3v1y/AAAQtdWvwMS-Z9Fn5tZQFiaqa?dl=0
 
 
...to be continued...

 

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