Ni Hao!

Grüßt euch zusammen,

die Weihnachtsfeiertage und das darauffolgende Wochenende hatte ich ja nun ein wenig Zeit und Gelegenheit, mich hier umzuschauen und ein wenig mit meiner Kamera loszuziehen.

Weihnachten haben wir recht ruhig verbracht. Leider wurde nichts mehr aus einer Tischreservierung im deutschen Restaurant, da bereits alle Tische ausgebucht waren.
Also entschieden wir uns für chinesisch. 
Diesmal ein Restaurant neben dem, in dem wir neuen Kollegen unser "Einstandsessen" hatten.
Die Karte ist wie oftmals zum Glück mit Bildern ausgestattet. Und tatsächlich sah das Essen meist auch so ansprechend aus wie in der Karte.
Allerdings sei nochmals erwähnt, dass das originale chinesische Essen sich teils deutlich von dem deutschen Chinarestaurant unterscheidet.
Wer sich mal eine Doku im Fernsehen angesehen hat, der weiß, wovon ich rede.
Seegurken, Hühnerfüße, Entenzunge und der Schärfegrad seien hier nur am Rande erwähnt.
Aber man kann ja auch auf vermeintlich Bekanntes zurückgreifen, wenn man sich nicht auf Experimente einlassen will.
Es war jedenfalls wieder einmal wirklich lecker.
Anschliessend sind wir noch weitergezogen. Da die Chinesesen ja das Weihnachtsfest nicht feiern, war es umso bemerkenswerter, wie viel Mühe sie sich damit geben, es den Ausländern hier ein wenig weihnachtlich vorkommen zu lassen.
Nahezu jede Bedienung in den Bars trug alberne Elchgeweihe oder Weihnachtsmänner und Engel als Kopfbedeckung.
Am frühen Abend dann amerikanische Weihnachtshits und natürlich durfte "Last Christmas" nirgends fehlen.
Später dann wurde aber auch andere Musik gespielt.

Samstag ging es dann also in die Verbotene Stadt.
Auf dem Weg zum Tian´anmen, dem Platz des Himmlischen Friedens, haben wir unsere Roller zwei Querstrassen vorher abgestellt, weil man mit ihnen nicht weiter fahren durfte.
Sicherheitsmaßnahmen.
Unterwegs dann immer wieder Gruppen von Polizisten, die teils einzelne, teils mehrere Personen zu sich heranwinkten und ihre Rucksäcke und Taschen kontrollierten.
Zum Einen aus Angst, man könne oppositionelle Propaganda wie Flugblätter mitführen, zum Anderen aus Angst vor Anschlägen.
Vor etwa anderthalb Jahren gab es wohl den letzten Anschlag, der auch einige Menschenleben forderte.
Verübt wurde er wohl von den Uiguren, einer Minderheit aus dem Westen der Volksrepublik, die ständig drangsaliert werden.
Allerdings wurden nur Chinesen kontrolliert. Touristen oder jene, die so aussahen, konnten passieren.
Dann folgte eine Kontrollstelle, an der man - ähnlich wie am Flughafen - durch eine Torbogensonde gehen und sein Gepäck durchleuchten lassen musste.
So weit, so gut. Hier gibt es den Grundsatz - Männer werden nur von Männern, Frauen nur von Frauen durchsucht, nicht.
Meinen Rucksack auf das Förderband gelegt, stellte ich mich dann vor die Torbogensonde.
Als ich von der finster dreinblickenden Genossin herangewunken wurde, stellte ich fest, dass die Sonde keinen Mucks von sich gab. Sie war nicht eingeschaltet oder kaputt.
Noch im Torbogen stehend, folgte dann die Absuche mit einer Handsonde.
Allerdings nur recht flüchtig und etwa auf Bauchhöhe.
Entweder wollte sie den Arm nicht strecken oder sie kam nicht bis auf meine Schulterhöhe.
Etwas zu kurz geraten, die Gute ;-)
Den Rucksack geschnappt und weiter ging es.
Unmittelbar vor dem Südeingang, über dem das große Portrait von Mao Zedung prangt, hab ich dann nochmal kurz geschwitzt.
An jeder der zahlreichen Laternen hingen mindestens ein halbes Dutzend Überwachungskameras.
Die totale Überwachung. Die Kameraden der zivilen Aufklärung waren ebenfalls nicht zu übersehen.
Meinem Motorradclub hatte ich allerdings versprochen, dass ich ein Foto von mir - in Kutte - vor der Verbotenen Stadt schicken werde.
Also fix die Jacke ausgezogen, die Weste aus dem Rucksack geholt und drübergezogen.
Mein Kollege war so freundlich, die Bilder zu machen.
Nachdem ich mich wieder umgezogen hatte, gingen wir zum Eingang.
Schon als wir den ersten der zahlreichen Innenhöfe erreicht hatten, war ich beeindruckt.
Ursprünglich bestand die Verbotene Stadt - der Name rührt daher, dass niemand, ausser der Kaiserlichen Familie, deren Bediensteten, hohen Offizieren und Beamten, sich Zutritt verschaffen durfte - aus 890 Gebäuden. Ob nun Hallen, Tempel, Toren oder Wohngebäuden...Bauwerke eben.
Die Zahl 10 000 war im alten China eine göttliche Zahl und der Kaiser war knapp darunter, also nahezu gottgleich.
Daher verfügte er über 9999 und ein halbes Zimmer.
In die meisten Hallen mit verführerisch klingenden Namen wie Halle der Erleuchtung und dergleichen, kommt man heute nicht herein. Sie sind abgesperrt und lassen nur einen Blick ins Innere zu. Da stehen dann Kaiserliche Throne usw.
Das Gedränge davor war recht groß und da wir an einem Wochenende dort waren, erstrecht.
An der Kasse zahlt man umgerechnet etwa 5€ Eintritt und weitere 5€ für einen automatischen Audioguide, der sich wirklich lohnt.
In 35 Sprachen übersetzt, kann man dann hören, wo man sich befindet.
Man hängt sich dieses GPS-gesteuerte Ding um den Hals, den Ohrhörer hinters Ohr und je nachdem, wo man sich befindet, quatscht das Teil los.
Teilweise sehr interessant, teilweise auch nicht.

Natürlich habe ich meine Kamera gezückt und geknipst, was mir so vor die Linse kam.
Das Wort "fotografieren" habe ich an dieser Stelle bewusst vermieden, weil einer der Leser vermutlich Tage in der Verbotenen Stadt verbracht hätte und dabei sicher mal wieder Kunstwerke entstanden wären.
Aber dafür hab ich mich auch nicht mit nem halben Zentner Ausrüstung abgeschleppt ;-)

Kurzum: ich war nicht zum letzten Mal in der Verbotenen Stadt und sicher waren es auch nicht die letzten Bilder von dort.
Es ist gewaltig und beeindruckend. Zum Großteil besteht das Areal übrigens aus Holz und wird nach und nach immer weiter restauriert.
Das ist auch ein Grund dafür, warum man sein Feuerzeug am Eingang abgeben muss.
Brandschutz.
Eigentlich könnte man ja sagen, dass es nirgends lange brennen kann, wo viele Chinesen sind.
Denn was sie immer und überall tun, ist auf den Boden zu spucken.

Nach einigen Stunden sind wir dann wieder heraus gegangen und haben uns anschließend auf den Weg zum "Pearl Market", dem Perlenmarkt, gemacht.
Allerdings ist es dort wie so gut wie überall in Peking.
Auf dem Perlenmarkt bekommst du auch Perlen und Schmuck. Aber erst, wenn du an Unterhaltungselektronik, Fake-Uhren und gefälschten Klamotten vorbei bist.
Irgendwo ab dem 5. Stockwerk also.
Im Fahrstuhl habe ich dann auch gesehen, dass das Gebäude dreifach unterkellert ist.
Achso...Fahrstuhl...In China gibt es das, was auf unseren Fahrstühlen als "EG" oder "0" steht, nicht.
Das Erdgeschoß ist die 1, dann 2, 3, usw.
Anfangs verwirrend, wenn man den Ausgang sucht.

Ich wurde also von meinem Kollegen 2 oder 3 Händlern vorgestellt, die bereits an Generationen von Kollegen verkauft haben und als "vertrauenswürdig" eingestuft wurden.
Sie machen entweder gute Preise für gute Ware oder verkaufen uns schlicht einige Sachen auch nicht, damit sie sich hinterher nicht für Schrott rechtfertigen müssen.
Denn gerade bei Unterhaltungselektronik muss man aufpassen, dass die Geräte auch in Europa funktionieren. Fehlende Spracheinstellungen oder andere Empfangs- und Sendefrequenzen machen das jeweilige Gerät in der Heimat unbrauchbar.

Ich habe mich gleich noch nach Fotozubehör umgesehen und musste einen Schwarm Verkäuferinnen in der Klamottenabteilung abwimmeln, von denen die Größte knapp 1,60m war...
Sollte ich dort mal Klamotten kaufen wollen, muss ich immer auf "german XX-Large" hinweisen.
Sonst wird das Shirt wohl bauchfrei ;-)

Das war´s erstmal wieder aus dem Land des Lächelns.
Bis bald! Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Lasst es krachen und macht nix kaputt!

Tobi

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